Ein Katalysator für das Onlinezugangsgesetz (OZG)

Author

Peter Koppatz

Ein Beitrag zum Stand der Umsetzung des »OZG« und zum internationalen Frauentag.

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Warum braucht das »OZG« einen Katalysator?

Gesetze werden in den Medien immer wieder thematisiert und beherrschen dann tagelang (oder wie im Fall Corona bereits monatelang) die Meldungen und Diskussionen. Das Kürzel »OZG« steht für das Onlinezugangsgesetz 1 . In dieser kleinen Untersuchung liegt der Schwerpunkt auf einer Bestandsaufnahme, die Antworten auf die folgenden Fragen geben soll:

  1. Wird über das »OZG« berichtet?

  2. Was erfährt der Bürger über die Umsetzung, Ziele, Fortschritte und Probleme der Umsetzung?

Bis zum Jahresende 2022 ist ein großer Schritt in Sachen Digitalisierung und bei der Umsetzung des Gesetzes zu bewältigen.

Aus der Chemie kennt man das Verhalten, daß ein Stoff nur langsam verbrennt; ein Katalysator 2 kann den Vorgang beschleunigen. Bei der Umsetzung des »OZG« kann man diesen Vorgang ebenfalls beobachten, nur welcher Katalysator hier helfen könnte, ist noch nicht geklärt. Vielleicht hilft ja diese kleine Wochenendstudie?

Dazu wurden 256 kreisfreie Städte und Kreise bzw. Landkreise betrachtet. Die Analyse wurde durch die Eingabe der Zeichenfolge »OZG« in die Suchmasken aller Webseiten realisiert.

Webseitengestaltung

Im Laufe der Untersuchung kamen einige Dinge zum Vorschein, die ursprünglich nicht zur Fragestellung gehörten, dann aber als zusätzliche Erkenntnisse erwähnt werden sollten.

Festzustellen bleibt, die Webauftritte gleichen sich in vielen Punkten, weichen in einzelnen Details aber voneinander ab.

Aufgefallen sind wenige Webseiten, die dem Personenkult dienen, weil Bürgermeister bzw. Landräte hier unbedingt ihre Grußbotschaften verkünden müssen. Ob die Videobotschaft, wie bei der Bundeskanzlerin, jede Woche aktualisiert wird, wurde nicht untersucht. Ich denke diese Darstellungsform passt nicht in die heutige Zeit. Die Bürger kennen, wenn es sie interssiert, ihren Bürgermeister oder Landrat und der Tourist/Websitebesucher interessiert sich für die Sehenswürdigkeiten oder andere Themen.

Die zweite, als negativ zu bewertende Aktivität auf einigen Webseiten ist die Zwangsinformation zur Coronakrise! Meine Damen und Herren, sie wollen doch auf Ihrer Webseite allumfassend informieren. Könnte es sein, daß mich die Coronasituation in Ihrem Landkreis oder Ihrer Stadt gar nicht interessiert?

Machen Sie es doch wie die Stadt Neumünster. Ein zusätzlicher Link im Menü sollte den Corona-Interessierten genau soviel Spielraum geben wie demjenigen, der sich für das normale Leben in Ihrem Bereich interessiert! Gutes Beispiel gefällig:

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Hier ist das zentrale Element die Suchmaske über die alle Themen aufrufbar sind. Andere Webauftritte haben einen extra Menüpunkt für Corona integriert.

Auf eine weitere Unsitte möchte ich hinweisen. So schön die Karusselbilder auf der Startseite auch sind, sie enthalten null Information, manchmal nur ein schönes Motiv aus der Region (bei Ausgrenzung aller anderen sehenswerten Objekte).

Oft sind es sogar unsäglich langweilige Bilder oder haben Sie noch nie ein Bild vom Coronavirus gesehen – sieht das Ding wirklich so aus? Spielende Kinder, ja, aber das ist alles null Information, nimmt Platz weg, verbraucht Bandbreite usw. Ein guter Kompromis ist es, die Suchmaske und andere wichtige Links mit dem unvermeidlichen Bild der Startseite zu verknüpftem.

Nun gut, wir klicken die Zwangsmeldung weg und können die Suche starten, vorher muss aber auf vielen Seiten die Suchmaske gesucht werden, nach dem Motto: Wir wissen was du suchst, warum wird die Suchmaske versteckt (oft schwer zu orten)? Aufgefallen ist mir, daß die Entwickler verlernt haben den Fokus auf das Eingabefeld zu setzen, wenn durch einen Klick auf die Lupe das Ansinnen eindeutig ausgedrückt worden ist. Warum muss ich warten, bis das Eingabefeld der Suchmaske erschienen ist und dann nochmal dort reinklicken?

Hat man die Suchmaske entdeckt, mal oben, links oder rechts, selten unten, kann es losgehen: Eingabe »OZG« und schon zeigen sich die Qualitäten des DMS/CMS (Dokumenten-, Contentmanagementsystem), also die Basis aller Suchanfragen, die Dokumente und Daten, die wir suchen. Leider bekommt man als Ergebnis Dinge präsentiert, die wenig oder nichts mit dem Suchbegriff zu tun haben, sind es die fehlenden Inhalte, die Algorithmen zur Indizierung oder die Suchstrategien der Software?

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Im Allgemeinen war die Ausbeute sehr mager, das kann auch an dem gewählten Suchbegriff gelegen haben. Aber hey, das Gesetz wurde am 14.08.2017 publiziert und innerhalb von drei Jahren hat es keine Aufmerksamkeit erzeugt? Die Digitalisierungsinitiativen des IT-Planungsrates gehen noch weiter zurück. Die Gründe kennen wir nicht, eine Auswertung kann nur den ersten Status Quo feststellen, was das Ziel dieser Befragung nebst Auswertung sein soll. Ich hoffe damit die Diskussion etwas anzuregen.

Die in den DMS/CMS eingebauten Suchmaschinen sind nicht sonderlich gut. Weiter unten finden Sie einen Vorschlag, wie die Ergebnisse durch eine eigene Suchmaschine optimiert werden können.

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Methodik

Was wurde nun gefunden? Die Methodik in Stichpunkten:

  • Aufruf der Startseite (Wegklicken der Coockiefrage und falls notwendig, der Zwangsinformation über den Coronavirus)

  • Aufruf der Suchfunktion

  • Eingabe »OZG«

  • Anzahl der Fundstellen ermitteln, die mit dem Kürzel »OZG« oder der Digitalisierung verknüpft waren

Ergebnis der Analyse

Von 256 kreisfreien Städten und Kreisen bzw. Landkreisen haben 178 keinen Eintrag zum Suchbegriff erbracht. Einige lieferten wenigstens einen Eintrag, wobei zu beobachten ist, daß es 2018/19 eine erste Häufung gegeben hat. In den Haushaltsplanungen 2020/21 war das Kürzel dann schon häufiger zu finden. Die Zeit drängt, denn 2022 müssen die Vorgaben des Gesetzes umgesetzt sein! Nur wenige Städte/Landkreise haben sich aktuell mit dem Thema auseinandergesetzt. Die folgende Grafik zeigt, wie bisher informiert worden ist. Erst die absoluten Zahlen, danach noch zwei Grafiken.

kein Treffer

178

1-2 Treffer

59

3-10 Treffer

17

>11 Treffer

2

  • Wie unschwer zu erkennen ist, hat das »OZG« noch nicht alle Bereich der Verwaltungen erreicht bzw. sieht man sich nicht genötigt, darüber zu berichten.

  • 1-2 Treffer sind in der Mehrzahl Seiten, die »OZG« als Verweis in einem Haushaltsplan oder anderen Dokumenten erwähnt haben.

  • Die Gruppe der Kategorien 3-10 hat schon mehr Informationen im Angebot und oft weiterführende Erklärungen zum Thema.

Berlin fällt mit einer großen Anzahl positiv aus dem Rahmen. Hier konnte ich natürlich nicht alle Verweise kontrollieren, aber die ersten konnten eindeutig dem Thema zugeordnet werden.

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Allgemein ist das Ergebnis ernüchternd und es gibt viel Spielraum für Verbesserungen. Dies bestätigt meine Erfahrung, daß nur wenige Eingeweihte von dem Gesetzesvorhaben wissen und sich damit befassen.

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Wie kann die Suche verbessert werden? Vergessen Sie die eingebauten Suchfunktionen der Contentmanagemantsysteme (CMS) oder überarbeiten Sie die Metadaten zu den Dokumenten! Und was noch? Eine andere Möglichkeit wäre die Installation einer eigenen Suchmaschine, über die Sie volle Kontrolle haben. »Yacy« 3 ist so eine Lösung, deren Anschaffung, weil OpenSource, keine extra Kosten verursacht.

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Auch die Installation und der Betrieb sollte für den, der ein CMS betreibt, im Rahmen des Möglichen liegen. Diese Suchmaschine kann so konfiguriert werden, daß nur die Inhalte des eigenen DMS/CMS indiziert werden. Die Suchmaske kann dann in das bestehende DMS/CMS eingebaut werden und erlaubt die Optimierung der Suche, beschleunigt sie sogar und Sie müssen keine externen Serviceanbieter bezahlen. Ihre Bürger und Besucher werden es danken, denn sie werden vor unliebsamen Tracking-Aktivitäten geschützt.

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Zum Schluß

Nun interessiert es Sie vielleicht, ob Sie auch zu den »Nullen« gehören, nein nicht Sie persönlich, sondern ihr DMS/CMS, das auf eine konkrete Frage keinen Verweis findet und Nonsens ausgibt?

Sie können die CSV-Datei mit den Ergebinssen herunterladen. Eine zweite Datei dient dem Erfahrungsaustausch. Was mir beim Besuch der Seiten aufgefallen ist, habe ich mit einem kurzen Kommentar versehen. Es sind meine persönlichen ersten Eindrücke und manchmal konnte ich ein wenig Ironie nicht unterdrücken, nehmen Sie es mir nicht krumm und setzen Sie sich aktiv mit dem Feedback auseinander. Eine weitere Spalte enthält einen Link zu dem ersten gefundenen Dokument, und kann als Referenz für die eigenen Infoseiten herangezogen werden. Ein gutes Beispiel sind Verweise auf die schon vorhandenen Leistungen, wie es in Greifswald und auf anderen Webseiten bereits praktiziert wird:

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Weitere Untersuchung werden zeigen, wie gut die Serviceangebote sind. Die positiven wie die weniger guten Angebote werde ich hier ebenfalls dokumentieren. Die Dateien zur aktuellen Evaluation kann man über einen Link auf der Webseite 4 online einsehen, betrachten und auch heruntergeladen. Ich nutze dafür einen kostenlosen Service, der sich »Binder« 5 nennt und Jupyter-Notebooks 6 in einer virtuellen Umgebung zur Verfügung stellt. Bringen Sie etwas Geduld mit, wenn eine neue virtuelle Maschine für Sie bereitgestellt wird. Wenn die virtuelle Maschine im Browser den Ordner mit den Daten anzeigt, finden sie die folgenden Dateien:

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  • umfrage-ozg.ipynb errechnet aus den Daten in umfrage-ozg.csv die gezeigten Diagramme

  • README.md enthält einen allgemeinen Hinweis auf das Repository

  • requirements.txt listet die verwendete Software auf

  • umfrage-ozg-kommentiert.csv beinhaltet, wie der Name andeutet meine Kommentare zu Auffälligkeiten

  • umfrage-ozg.csv enthält nur die Zahlen für die Auswertung

Ausblick

Diese Bestandsaufnahme ist der Anfang einer kleine Serie und soll gute Umsetzungsstrategien liefern und die Hemmnisse einer raschen Realisierung beobachten und benennen.

Lizenz

Es gelten auch die Regeln der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

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Sollten diese Lizenzen immer noch Unsicherheiten bezüglich der Nutzung hervorrufen, erkläre ich hiermit einen Nichtangriffspakt und verzichte auf alle rechtlichen Mittel, da es nichts durchzusetzen gibt.