Stau in Potsdam

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Ein Stau gehört in Potsdam mit zu den Sehenswürdigkeiten, wie Sanssouci, der Brauhausberg und andere Merkwürdigkeiten.

Jeden Tag radle ich an mindesten zwei dieser »Sehenswürdigkeiten« vorbei. Heute auf der Rücktour von der Arbeit dann »Stau total«, in allen Richtungen zwängten sich die Blechdosen auf Rädern durch das Nadelöhr am Bahnhof. Nun gut, mit dem Fahrrad kann man da bequem durchschlüpfen, wenn auch mit leichten Behinderungen, weil die Autofahrer die Markierungen für die Radfahrer gern mal ignorieren.

Nach etwa einem Kilometer Stau, hatte eine Frau die Scheibe runtergekurbelt und sprach mich an. Sie fragte, ob ich wüßte, warum es nicht vorwärts geht, denn in der letzten Stunde sind sie maximal 20 Meter vorangekommen? Ich mußte verneinen, denn ich hatte nichts Auffälliges bemerkt. Nur ganz kurz sah ich im Augenwinkel noch ein paar blaue Rundumleuchten der Polizei, hörte aber auch kein Tatü-Tata!

Sie hatte einen Termin an der Musikschule und ich empfahl ihr schon, das Auto stehen zu lassen und zu Fuß zu gehen, dann könnte sie den Termin noch halten. Das war wohl keine Option!?

Wieder in Bewegung dämmerte es mir allmählich: Heute ist so ein Klima-Aktivisten-Tag und ich habe wohl gerade noch den »Leichenwagen« der Demonstration bzw. die Lichter der Polizeieskorte für eine Demo durch Potsdam wahrgenommen, welche das Ende des Demonstartionszuges markierten, konnte mir aber keinen Reim auf das Stau-Setting am Bahnhof machen.

Nun gut, dann werden die Stau’s, nach der Demo wieder etwas kürzer werden. Ein generelles Umdenken, was den Umstieg vom Auto auf andere Verkehrsmittel betrifft, halte ich eher für unwahrscheinlich. Der Stau im allgemeinen wird bleiben.

Stromsparen ist zum Beispiel ein aktuell großes Thema. Geh ich aber eine Fahrkarte im Bahnhof kaufen, begrüßen mich etwas zehn laufende Großbildschirme mit sinnlos und in Endlosschleife laufenden Werbebotschaften. Der Wahnsinn läßt sich also nicht so einfach abschalten. Das ist wohl der Grund, warum man aus einer Irrenanstalt so schnell nicht wieder raus kommt. Aber aktuell haben ja alle das Gefühl, permanent mitten in einer Irrenanstalt zu leben…

Was den Irren im Bahnhof oder Stau aber entgeht, sind wunderschöne Momente, wenn ich früh aufstehe, mich auf das Rad schwinge und an der Havel entlang radle. Ich kann mich nur ärgern, wenn ich in solchen Momenten meine Kamera nicht zur Hand habe. Mit dem Smartfon dann wenigstens diese kleine Erinnerung, an die in Nebel getauchte Stille mit dem pittoresken An- und Augenblick (Siehe Foto am Anfang der Betrachtungen). An eine Demonstartion oder einen Stau war zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu denken.