Fontane 1. Band

Wanderungen durch die Mark

Endlich begonnen, die fünf Bände und ich nehme von mir als interessant eingestufte Textpassagen direkt in den Blog. Es sind Aussagen, die Stoff zum Nachdenken geben.

Wenn auch aus der Zeit gefallen, so standen die Krieger und die herrschaftliche Klasse der damaligen Zeit im Mittelpunkt der Betrachtungen. Heute noch haben einige Gedanken aus dieser Zeit an Aktualität nichts verloren.

Schinkel – Leben – Essen

Und in diesem Punkte, Wesen von Schein, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden, besaß er eben vermöge seiner großen Reinheit einen sehr feinen, in unseren Tagen immer seltener werdenden Sinn. Sein ganzes Wesen war so durchaus auf das Geistliche gerichtet, daß man von ihm, im Gegensatz zu denen, die nur leben um zu essen, ohne Übertreibung sagen konnte: er aß nur, um zu leben.

Freiheit – Unfreiheit

Inmitten der häßlichsten Menschen fidnet man wunderbare Schönheiten, Askese blüht in Zeiten sittlichen Verfalls, und in Epochen der Unfreiheit und bürgerlichen Verkommenheit sprießen die Beispiele höchster Bürgertugend auf. An der Entfaltung jedes Übermuts gehindert, gedeiht in solchen Ausnahmefällen der echteste Mut, die Selbstsucht wird gehindert ins Kraut zu schießen, und so wächst sich denn ein die Keime des Idealen in sich tragendes Einzel-Individuum, unter dem allgemeinen Walten der Unfreiheit und recht eigentlich infolge dieser Unfreiheit in einen Idealzustand der Freiheit hinein.

Bilder – Geschmack

Aber die Macht des Stoffs bewährte sich siegreich an ihnen, und sie zählten (wie ich selbst) mit leiser Befreidigung die Leichen der gefallenen Dänen, ohne sich in ihrem künsterischen Gewissen irgendwie bedrückt zu fühlen.

Die Frage nach dem Rechte dieser Bilder, »die den Geschmack mehr verwildern als bilden«, ist aufgeworfen und dabei hinzugesetzt worden, daß Leistungen der Art in künstlerisch gesegneteren Zeiten und bei feiner gearteten Völkern eine bare Unmöglichkeit sein würden. Vielleicht.

Diplomatie

… es waren ritterliche Herren, aber vor allem Hofleute, Diplomaten. Sie kannten und übten die schwere Kunst der Nachgiebigkeit und wußten zwischen Festigkeit und Eigensinn zu unterscheiden. Daher begegnen wir ihnen oft auf den Reichstagen in Konstanz und Worms, als Begleiter und Berater ihrer markgräflichen Herren und wo es Streit zu schlichte gab, das waren die Ruppiner Grafen die Vertrauensmänner beider Parteien, und das Schiedsrichteramt lag, wie erblich, in ihren Händen.